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Gentechnologie

Gentechnologie und Jagd von Dr. Friedrich Buer, Stellungnahme der ANJN zur Gentechnologie

 

Gentechnologie und Jagd

Wildkräuter, Hasen und Vögel die ersten Opfer und eine Frage der Moral

"Zwei Sekunden nach dem Urknall." So beschreibt der Vorstand eines steil aufstrebenden Biotech-Unternehmens die Lage der Gentechnologie. Zu ergänzen wäre: Was in der dritten Sekunde und danach passiert, weiß niemand. Wir können nicht in die Zukunft sehen. Halten wir uns also an das, was ist. Genetischer Code, transgene Pflanzen und Tiere oder gar horizontaler Gentransfer sind Begriffe, die für viele von uns immer noch recht abstrakt klingen. Tatsächlich verbirgt sich dahinter eine neue industrielle Revolution, die unsere Gesellschaft tiefgreifend verändert und selbstverständlich auch die Jagd betrifft.

Synthetische Biologie

Der Genetische Code ist offenbar nichts anderes als die Betriebsanleitung oder Software eines Lebewesens. Und transgen ist ein Lebewesen, dem man Teile der ‘Software’ eines anderen gezielt implantiert hat. Das so manipulierte Lebewesen hat dann die Eigenschaft des anderen bekommen. Zum Beispiel kann man das Gen für Wachstumshormon vom Menschen auf Petunien übertragen und die machen dann menschliches Wachstumshormon. Das ist revolutionär, denn bisher konnten die Biologen Lebewesen nur beschreiben. Jetzt können sie sie mit Gentechnik neu kombinieren.

Ein Vergleich mit der Chemie verdeutlicht die neue Dimension. Auch die Chemiker haben die uns umgebenden Stoffe zuerst nur beschrieben. Dann lernten sie, die Grundbausteine neu zu kombinieren. Diese synthetische Chemie prägt heute unsere Welt. Ohne sie ginge fast nichts mehr. Die synthetische Biologie wird unsere Welt noch gründlicher verändern, denn chemische Verbindungen sind tot. Sie vermehren sich nicht. Lebewesen aber leben und vermehren sich. Sie geben genetische Manipulationen an ihre Nachkommen weiter, kombinieren sie neu und bauen sie um.

Gentechnik ist nicht die übliche Pflanzen- und Tierzucht. Die kann immer nur innerhalb einer Art oder selten zwischen nahen Verwandten kreuzen. Mit Gentechnik überwindet man diese Artgrenzen. Von Mensch auf Petunie und von Scholle auf Erdbeere, das ist etwas vollkommen neues.

Das Risiko, das hier lauert, kann niemand abschätzen und will deshalb auch niemand versichern. Schon das einfache Aussetzen von Pflanzen und Tieren in neue Lebensräume ist riskant. Das beweisen viele, viele Beispiele, wie die Kaninchen in Australien, die Waschbären, Bisamratten und Blaubandbärblinge in Europa, die ‘Killerbienen’ und neue Unkräuter in Amerika.

Natur strebt nach Vielfalt - Gentechnik nach Monokulturen

Der genetische Code ist ein Fadenmolekül, vergleichbar einer Perlenkette mit den Basenpaaren (‘Perlen’) Thymin/Adenin und Guanin/Cytosin. Er ist unvorstellbar variabel. Für die 3 Milliarden Basenpaare des Menschen gibt es theoretisch 2 3 000 000 000 Variationen. Daher ist der genetische Code auch der zentrale Vielfaltsgenerator des Lebens. Er sichert, daß Leben nach maximaler Vielfalt strebt und kein Lebewesen genau wie das andere ist. Mit Gentechnik erzeugt man auf Wiesen und Feldern extreme Monokulturen, striegelt also die natürlichen Verhältnisse gegen den Strich. Das führt zur biologischen Entwertung großer Flächen und zu grundsätzlichen Problemen für die Jagd, weil Wild in jeder Beziehung auf Vielfalt angewiesen ist.

Generalangriff auf Artenvielfalt durch herbizidresistente Nutzpflanzen

Totalherbizide sind universell wirkende Pflanzengifte, mit denen man Flächen pflanzenfrei machen kann. Zwischen Bahngleisen kann jeder ihre Wirkung erkennen. Weil sie auch Nutzpflanzen angreifen, wurden sie in der Landwirtschaft bisher nur vor oder nach dem eigentlichen Anbau angewendet. Mit Gentechnik können Nutzpflanzen gegen Totalherbizide unempfindlich gemacht werden. Dazu überträgt man ihnen ein Gen von einem Mikroorganismus. Inzwischen ist das z.B. bei Raps, Rüben und Mais geschehen. Sie sind dadurch gegen die Totalherbizide Glyphosat (Roundup) oder Glyphosinat (Basta) immun. Auf Feldern mit diesen neuen, gegen Totalherbizide resistenten Nutzpflanzen können Totalherbizide auch während der Kultur eingesetzt werden.

Felder werden zu biologische Wüsten

Solche Felder werden zu extremen Monokulturen, weil praktisch alle ‘Unkräuter’ vernichtet werden und nur noch die jeweilige Kulturpflanze überlebt. Ökologisch sind sie eine Katastrophe, denn dieser Vernichtungskrieg gegen Wildpflanzen wird nach und nach auf fast die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche ausgedehnt werden, also auf etwa 60 % unseres Landes! Wie bisher werden Feldraine und Feldwege häufig ‘mitbehandelt’. Die Agrarflächen werden biologisch noch mehr veröden. Dagegen sind Straßenränder und Autobahnkreuze blühende Paradiese aus zweiter Hand.

Laufmascheneffekt durch Gentechnik - Hase und Rebhuhn unter den Opfern

Aber nicht nur die ohnehin schon dezimierte Begleitflora wird ausgerottet. Schädlicher ist noch, daß allen Tieren, die von der Begleitflora leben, die Nahrungsgrundlage entzogen wird. Mit jeder Pflanzenart verschwinden in Mitteleuropa mindestens 10 Tierarten. Dabei handelt es sich vor allem um Insekten. Die aber tragen wichtige ökologische Funktionen und sind Glieder von Nahrungsketten, die z.B. zu den Vögeln führen.

Da außerdem noch viele Vogelarten auf Wildsamen angewiesen sind, wird die Vogelwelt besonders hart getroffen werden. Ein Laufmascheneffekt wird angeschoben. Rebhuhn und Grauammer werden vermutlich aussterben. Dem Feldhasen, der eine Vielzahl von Wildkräutern braucht, wird die Nahrungsbasis großflächig entzogen. Er ist ohnehin schon auf die Rote Liste gesetzt worden und könnte durch herbizidresistente Nutzpflanzen den Rest bekommen.

Aber damit nicht genug. Monokulturen sind grundsätzlich schädlingsanfälliger. Noch mehr Gift wird eingesetzt werden müssen - mit allen üblen Folgen bis hin zur Vermarktung von Wildbret. Selbst das vermeintliche Patentrezept, Nutzpflanzen so gentechnisch zu manipulieren, daß die ihre ‘Spritzmittel’ selbst herstellen, also nicht mehr gespritzt werden müssen, wirkt fatal. Es entzieht den Nützlingen, die ja von den Schädlingen leben müssen, die Nahrungsgrundlage und rottet sie entweder aus oder es kommt zu Resistenzentwicklungen oder beides. In jedem Fall bedeutet das: noch mehr Gift in der Landwirtschaft. Das ist Mißbrauch moderner Biotechnologie.

Die Moral bleibt auf der Strecke

Dieser Generalangriff auf die Artenvielfalt, auf unser Wild und auf die Jagd geschieht im reichen Deutschland, das offiziell an arme Tropenländern appelliert, die Artenvielfalt zu schützen. Er geschieht ohne Not in einer Zeit, in der Steuergelder zur Beseitigung von Agrarüberschüssen verschwendet werden und unter den fest geschlossenen Augen der verantwortlichen Ministerien.

Das Argument, man müsse das Risiko der Gentechnik bei Nutzpflanzen eingehen, um den Hunger der Welt zu mildern, ist falsch. Nahrungsmittel gibt es genug. Den Hungernden fehlt Geld, um sich Nahrung zu kaufen. Wer reich ist, hat Nahrung im Überfluß, wer arm ist, muß hungern. Dies hat u. a. die Konferenz der FAO 1996 in Rom und eine Anhörung im April 1997 beim Agrarausschuß des Deutschen Bundestages ergeben.

Schlimmer noch: Der subventionierte Export unsere Überschüsse hemmt in der Hungerländern die Entwicklung der eigenen Landwirtschaft. Er fördert also den Hunger, wie die Hilfsorganisationen Welthungerhilfe und Terre des Hommes beklagen. Gentechnik aber steigert unsere Agrarüberschüsse und damit auch den Exportdruck. Es geht also nicht um das Wild und die Jagd. Es geht auch um die Moral.

Dr. Friedrich Buer, Freier Biologe 29. Mai 1998

ANJN befürchtet negative Auswirkungen auf Wildtiere und Nahrungsqualität

"Wir unterstützen das Volksbegehren, da negative Auswirkungen gentechnischer Produktionsverfahren auf Wildtiere vorauszusehen sind und wir für eine gentechnikfreie Landbewirtschaftung eintreten", so Rainer Barthel, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Naturnahe Jagd Norddeutschland e.V.. An dieser Stelle gibt er zwei Beipiele. Mit Blick auf neue gentechnische Verfahren der Landwirtschaft gilt unser Augenmerk insbesondere dem zunehmenden Anbau herbizidresistenter Pflanzen. Ein gesteigerter Einsatz von Pflanzenschutzmitteln steht der natürlichen Ausstattung der Felder mit Wildkräutern entgegen und setzt die Biodiversität auf mehr als 40% der Landfläche Deutschlands aufs Spiel. Noch stärker als bisher wird der Mensch in die Feldflur als Lebensraum von Hase, Rebhuhn und anderen eingreifen, was sich weder mit einer ökologisch noch mit einer ökonomisch nachhaltigen Landwirtschaft verträgt. Schon heute ist zudem ein Rückgang von Arten wie dem Feldhasen, der eine Palette von bis zu 24 Kräutern als Nahrung benötigt, festzustellen, was sich vor allem auf die Ausräumung der Landschaft und Düngung von Grenzstreifen zurückführen läßt.

Während prophylaktische Impfungen bei Hausschweinen untersagt sind, müssen die nationalen Behörden beim Auftreten von Schweinepest in Wildbeständen einen Bekämpfungsplan in Brüssel (EU) vorlegen und gefährdete Bezirke ausweisen. Argumentiert wird vor allem mit dem wirt-schaftlichen Schaden, der sich allerdings bei Beachtung allgemein anerkannter Grundsätze (Transport, Haltung) bereits deutlich verringern läßt. Allerdings erscheinen die bisher beimpften Flächen in Niedersachsen klein im Gegensatz zu benachbarten östlichen Bundesländern.

Hier sind verschiedene Fragen zu stellen. Werden die oral beimpften Wildschweine nicht vom Menschen verzehrt? Reicht eine Verzehrsperre von 1 Monat zwischen Impfung und möglicher Bejagung zur Sicherung der Fleischqualität wirklich aus, und kann die Impfung überhaupt effektiv bei Wildschweinebeständen greifen? Wir hinterfragen den Einsatz gentechnischer Präparate auch bei anderen Wildtieren, so z.B. für den Fuchs im Rahmen der flächendeckenden Tollwutimpfung. Zentrale Argumente sind für die Arbeitsgemeinschaft - auch im ländlichen Raum - die Verringerung vermeidbarer Eingriffe in natürliche Ökosysteme und die Beachtung der berechtigten Ansprüche von Wildarten. Rainer Barthel und Ludwig Artmeyer für die ANJN e.V.. Tel. 0551- 66189. Göttingen, 15.04.1998

 

 
   
         
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